Gerechte Finanzierung ambulanter Pflege

Juni 2019: Ambulante Pflegedienste aus der Region Harz und Heide schlagen Alarm

Die ambulante Versorgung von pflegebedürftigen und kranken Menschen in Niedersachsen gerät zunehmend in Gefahr.

Vor diesem Hintergrund schlugen auf Initiative der AG der Braunschweiger Sozialstationen rund 60 Pflegedienste aus der Region zwischen Harz und Heide in einer Gemeinschaftsaktion Alarm.

Mit einem offenen Brief wurden die Entscheidungsträger in Politik, Verwaltung, Verbände und Kassen gebeten, die Bemühungen für eine gerechte und zukunftsfähige Finanzierung der ambulanten Pflege in Niedersachsen zu unterstützen.

Die Dienste beklagen, dass die ambulante Pflege in Niedersachsen gegenüber der stationären Pflege abgehängt wird. Diese Entwicklung ist fatal und sie geht zulasten der Menschen in Niedersachsen, die bis ins hohe Alter eigenständig in ihrer vertrauten Umgebung bleiben wollen. Siehe Artikel in der Braunschweiger Zeitung vom 10. Mai 2019.

Die Forderung nach höherer Vergütung kommt dabei von allen, egal ob gemeinnützige Einrichtungen wie die Sozialstationen der Wohlfahrtsverbände oder private Pflegedienste.

Postkarten-Aktion und Demonstration am 18. Juni 2019

Der Versand des offenen Briefs wurde flankiert von einer Postkarten-Aktion zur gerechten Refinanzierung in der Pflege. Drei unterschiedliche Motive („Ich möchte 'gepflegt' alt werden.", "Wir pflegen Menschen, keine Gegenstände“, „Ich möchte würde- und respektvoll gepflegt werden - Sie später auch?“) wurden von sämtlichen Pflegediensten an Patienten, Kunden, Mitarbeitende sowie Interessierte verteilt. Sämtliche Karten wurden gesammelt und am 18. Juni 2019 im Rahmen einer Pflege- Demonstration an den Niedersächsischen Landtag übergeben.

30.000 Postkarten für eine bessere ambulante Pflege an den Niedersächsischen Landtag überreicht.

Mehr als 400 Pflegende und mehr als 60 Pflegedienste aus der Region zwischen Harz und Heide haben am 18. Juni 2019 für eine bessere Bezahlung der ambulanten Pflege demonstriert. Sie werfen den Kranken- und Pflegekassen gefährliche Sparpolitik vor.

Mit einer großen Demonstration durch die Innenstadt von Hannover, einer Kundgebung vor dem Hauptsitz des Krankenkassenverbandes vdek sowie der Abschlusskundgebung vor dem Niedersächsischen Landtag machten die Pflegekräfte und Trägervertreter mit Liedern, einem Flashmob, Reden und zahlreichen Aktionen auf ihre Sorge um die pflegerische Versorgung in Niedersachsen aufmerksam.

„Wohlfahrtsverbände und private Pflegeanbieter leiden gleichermaßen unter der Weigerung der Kassen, die ambulante Versorgung von Pflegebedürftigen angemessen zu bezahlen. Den Schaden haben letztlich die betroffenen Familien, die schon heute nur noch schwer eine ambulante Versorgung finden“, berichtete Hans Golmann vom gemeinnützigen ambet e.V. in Braunschweig. Diese Situation sei in vielen Gegenden Niedersachsens jeden Tag spürbar.

 „Die Pflegekassen weigern sich, ambulante Pflege angemessen zu bezahlen und gefährden damit die Versorgungssicherheit in vielen Regionen“, erklärte Bettina Tews-Harms. Die Pflegeunternehmerin hatte gemeinsam mit vielen privaten Trägern und Wohlfahrtseinrichtungen aus dem ‚Bündnis der Pflegedienste zwischen Harz und Heide‘ zu dem Aktionstag aufgerufen, bei dem erstmals private und gemeinnützige Pflegedienste gemeinsam öffentlich Alarm schlugen.

Die Politik versuche derzeit an vielen Stellen, die Pflege aufzuwerten, stellen die Organisatoren fest. Die Landesregierung ist jetzt gefordert, politisch die notwendigen Veränderungen bei den Kostenträgern mit Nachdruck einzufordern. „Wir schaffen gute Arbeitssituationen und wollen Vergütungen zahlen können, um den Pflegeberuf attraktiv zu halten und etwas gegen den Fachkraftmangel zu tun. Dafür gibt es öffentliches Lob“, führte Hans Golmann aus „Hinter den Kulissen aber blockieren die Kranken- und Pflegekassen eine gerechte Finanzierung der ambulanten Pflege. Eigentlich wären 18 % mehr Geld für die ambulante Pflege dringend notwendig, während die Kassen einen gefährlichen Sparkurs fahren.“

Die Initiative übergab deshalb heute rund 30.000 Postkarten an Claudia Schüssler und Frau Annette Schütze von der Landtagsfraktion der SPD in Niedersachsen. Darauf unterstützen Pflegende, Pflegebedürftige und Familien die Initiative für eine gerechte Finanzierung der ambulanten Pflege in Niedersachsen. Die Abgeordneten sagten zu, dass das Anliegen der Pflegedienste sehr ernst genommen werde und auf Grund der hohen Anzahl an Karten im Rahmen einer Petition im Landtag beraten werden wird.

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